Samson & Roberto Glück und Spuk und Ach Herje von Ingvar Ambjørnsen

Der Kater Roberto und der Hund Samson leben in der Stadt und haben es nicht leicht, so arm wie sie sind. Da kommt das Erbe von Samson Onkel Rin Tin Tei gerade recht. Nun sind sie Besitzer von 14 Kronen und einer Pension mit dem schönen Namen Fjordlicht. Sofort machen sie sich auf, um ihren neuen Besitz in Augenschein zu nehmen. Doch was erwartet sie? Ein baufälliges Haus, in dem es auch noch spuken soll. Die nötigen Reparaturen, erweisen sich als das geringste Problem. Olly, ein sehr aktives Ottermädchen mit Handwerksbetrieb und Freude daran, wenn andere ihr Geld schulden, übernimmt den Fall und richtet alles in kürzester Zeit so her, dass die Gäste kommen können. Bliebe nur noch dem Spuk auf dem Grund zu gehen. Auch das ist irgendwann getan. Nun gilt es nur noch die Gäste, die doch sehr verschiedenartig sind, unter einen Hut zu bringen.

Glück und Spuk und Ach Herrje, ist der erste Teil von Ingvar Ambjørnsens Samson & Roberto Reihe und wurde gerade bei dtv neu aufgelegt. Das hat mich so sehr gefreut. Schon früher habe ich die Bücher um die beiden Pensionsbesitzer mit Begeisterung gelesen und auch meine Enkelinnen lieben sie. Lustig und hintersinnig, wird vermittelt, wie ein tolerantes Zusammenleben funktionieren sollte. Fein illustriert ist das Buch von Peter Schüssow. Überhaupt ist das Buch sehr schön aufgemacht und ich hoffe sehr, dass auch die anderen Teile neu aufgelegt werden.

Samson & Roberto
Glück, Spuk und Ach Herrje

Autor: Ingvar Ambjørnsen

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Verlag: dtv

ISBN: 978-3-423-64036-7

Preis: 12,95

Moonglow von Michael Chabon

Bevor ich etwas zum Inhalt schreibe, muss ich Lob loswerden. Ein großartiges Buch. Schon durch die ungewöhnliche Erzählform ist es außergewöhnlich, noch mehr jedoch durch die Erzählkunst Michael Chabons. Nun aber zum Buch:

Der Autor Michael Chabon sitzt am Sterbebett seines Großvaters und dieser erzählt ihm sein Leben und lüftet das eine oder andere Geheimnis. Dass er im Gefängnis war, und warum, ist kein Geheimnis. Warum er allerdings Wernher von Braun, den er im 2. Weltkrieg gejagt hat, regelrecht zu hassen schien, das schon. Dann ist da noch die Großmutter, schon seit einiger Zeit tot, die durch die Erinnerungen wieder lebendig wird. Ihr Wahnsinn und ihr Charme. Ihre Geschichte, die so einige Ungereimtheiten aufweist. Durchbrochen werden die Erinnerungen des Großvaters immer wieder von Chabons eigenen und von denen seiner Mutter.

Michael Chabon hat seinen Geschichtenteppich in die Form einer Autobiografie gepackt. Geschichten die sich aus unterschiedlichen Erinnerungen speisen, die manchmal nicht wenig von einander abweichen. Wie es halt so ist mit Erinnerungen. Die Geschichte ist auch nicht chronologisch erzählt, denn erinnert wird sich selten kohärent. Allerdings hat es diesen Großvater, in dieser Form, wohl nicht gegeben. Es ist eine Mischung aus Wahrheit und Fiktion, denn die Erinnerungen stammen zum großen Teil aus der Familie des Autors. Allerdings ist es mir beim Lesen völlig gleichgültig gewesen, ob es nun eine wahre Geschichte oder eine erfundene ist. Ich habe mich voller Begeisterung in dieses erzählerische Patchwork ziehen lassen und wäre gerne noch länger geblieben. Michael Chabon ist ein großartiger Erzähler, seine Charaktere sind real, seine Sprache bildhaft, seine Metaphern originell und sicher. Ein Buch, welches ich von ganzem Herzen empfehle.

Übrigens erklärt der Autor vieles in Fußnoten. Normalerweise mag ich Fußnoten nur in Sachtexten und bei Terry Pratchett. Dieses hier fand ich nicht nur wichtig, sondern auch äußerst amüsant.

Moonglow

Autor: Michael Chabon

Übersetzerin: Andrea Fischer

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN 978-3-462-05074-5

erschienen am 08.03.2018

Preis: 24,00 €

 

Ich weiß wann du stirbst von Unni Lindell

Marian Dahle ist nicht in Bestform, als ihr die Ermittlung zu einem Cold Case angeboten wird. Eigentlich ist sie noch nicht wieder voll einsatzfähig. Ein traumatisches Erlebnis während einer Ermittlung, hat sie aus der Bahn geworfen. Sie zögert so auch zuerst den Fall anzunehmen, kann dann aber nicht widerstehen, denn der Fall der vor fünfzehn Jahren verschwundenen Thona, hat damals sehr viel Aufmerksamkeit erregt. Während der Ermittlungen findet Thonas Mutter einen Zettel, eine Liste mit den Namen von vier Männern. Auf dieser Liste befindet sich der Name des Mannes, der in Verdacht stand für Thonas Verschwinden verantwortlich zu sein. Einer der genannten Männer gilt als vermisst, ein weiterer wird ermordet aufgefunden. Es liegt nahe, dass es sich um eine Todesliste handelt. Während dessen zweifelt Marian mehr und mehr an ihren Verstand. Sie hat das Gefühl, dass jemand in ihre Wohnung eindringt, ist sich aber nicht sicher, ob es der Wirklichkeit entspricht oder ob sie Wahnvorstellungen hat.

Unni Lindell gilt als eine der erfolgreichsten SpannungsautorInnen Norwegens und führt mit Marian Dahle eine interessante neue Ermittlerin ein. Sicher, vieles entspricht dem Krimiklischee. Die traumatisierte Ermittlerin mit einem leichten Alkoholproblem, eine Außenseiterin, die sich nicht an Regeln hält. Das kennt man aus der einschlägigen Literatur, aber Unni Lindell zeigt, wie man aus bekannten Zutaten, etwas Neues, Spannendes kreiert. Die Geschichte selbst, ist voller überraschender, und doch logisch nachvollziehbarer, Wendungen und die Charaktere sind dreidimensional. Die Suche nach der so lange verschwundenen Thona, hat viele Nuancen. Sie erzählt von Verlust, vom Weiterleben nach einem Trauma und vom täglichen Kampf mit den Dämonen. Die Autorin versteht sich wunderbar auf Zwischentöne und spielt elegant mit den Wahrnehmungen ihrer LeserInnen.

Fazit: Sehr empfehlenswert.

Ich weiß, wann du stirbst

Autorin: Unni Lindell

ÜbersetzerInnen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann

Aufbau Verlag

978-3-7466-3402-9

Preis 9,99 €