64 von Hideo Yokoyama

64 ist der Codename für einen Entführungsfall aus dem Jahre 1989. Dem Jahr, in dem Kaiser Hirohito nach 64 Jahren im Amt starb. Das entführte Mädchen wurde  nach der Lösegeldübergabe ermordet aufgefunden, der Fall nie geklärt. 14 Jahre später, ein Jahr vor der Verjährung, meldet der Generalinspektor der Polizei aus Tokio seinen Besuch in der Präfektur D, in der das Verbrechen geschah, an. Pressesprecher Mikami soll den Besuch vorbereiten und den Vater des Mädchens überreden den Generalinspektor zu empfangen, dieser lehnt ab, obwohl es eine Neuaufnahme des Falles bedeuten würde. Mikami, der eigentlich Ermittler ist und seine Versetzung zur Pressestelle als Degradierung empfindet, wird neugierig, warum der Vater der Polizei so ablehnend gegenüber steht und stößt auf einen Ermittlungsfehler, der der Öffentlichkeit verschwiegen wurde. Überhaupt ist Yoshinobu Mikami sehr gefordert. Seine eigene Tochter ist nach einem Streit verschwunden. In der Dienststelle wird er mehr und mehr zum Prellbock in Spannungsverhältnis Polizei und Presse und verschiedene Karrieristen versuchen ihn zum Spielball für ihre Intrigen zu machen.

64 wird als Krimi angepriesen ist meiner Meinung nach, aber viel mehr als das. Es ist ein Gesellschaftsbild Japans zwischen Tradition und Moderne. Mit Mikami hat Yokoyama einen Protagonisten geschaffen, der am Rande steht. Er ist Pressesprecher, aber widerwillig, er glaubt als Vater versagt zu haben und gehört auch nicht mehr in die Welt der Ermittler und gerade durch dieses Außenvorsein, hat er einen objektiven Blick.

Anfangs habe ich mich schwer getan und teils gestaltete sich das Lesen, wie ein Waten durch den Sumpf von Lügen und Korruption, in dem Mikami ermittelt und doch habe ich die 768 in vier Tagen durchgelesen, weil es einfach ein sehr gut geschriebener, spannender Roman ist.

64

Autor: Hideo Yokoyama

ISBN 9783037921043

768 Seiten

Atrium Verlag Zürich

Übersetzt aus dem Englischen: Sabine Roth und Nikolaus Stingl

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