Wo Rauch ist von Gudrun Lerchbaum

Der Journalist Can ist tot, angeblich an einem anaphylaktischen Schock gestorben. Seine Ex-Frau, die Buchhändlerin Olga Schattenberg, bezweifelt dies, schon weil Can keine Allergien hatte und gerade an einer sehr gefährlichen Story arbeitete, den Verbindungen des türkischen Geheimdienstes zu Nazigruppen in Österreich und Deutschland. Olga will mehr wissen, ist jedoch durch ihre MS-Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt. Auf der Beerdigung trifft sie den Trauerredner Adrian und lernt durch ihn seine frühere Freundin Kiki kennen, die eine recht gewalttätige Vergangenheit und eine Psychose hat hat. Über Cans Familie versucht Olga an den Laptop des Verstorbenen zu kommen, doch die mauert. Die Eltern wollen Ruhe, die Schwester ist mittlerweile bei den Kartalar gelandet, einer islamistischen Gruppe, die unter anderen, die türkischen Mitbürger im Ausland auf islamkonformes Verhalten hin überwacht. Als auch noch die Polizei sich für den Tod von Can interessiert und herauskommt, dass er auf eine sehr merkwürdige Weise zu Tode kam, wird es brenzelig. Olga, Adrian und Kiki, geraten ins Kreuzfeuer der verschiedenen Fraktionen. Doch nicht nur für sie wird es eng.

Um es gleich vorweg zu sagen. Gudrun Lerchbaum hat da einen Politthriller geschrieben, wie ich ihn mir wünsche. Nah am Zeitgeschehen, spannend, interessant und originell. Sie wählt nicht das klassische Ermittler*innen Team mit einer Hauptfigur und sondern lässt die Geschichte aus den Perspektiven von Olga, Adrian und Kiki erzählen, was den Lesern einen Panoramablick erlaubt. Sie schildert ihre Charaktere sensibel und mit Tiefenschärfe, zeigt sie gleichmaßen in ihrer Verletzlichkeit und Stärke, ohne sich in deren Geschichten zu verlieren und die Handlung zu vernachlässigen. In Lügenland zeigt Gudrun Lerchbaum die Mechanismen des Faschismus auf, die in der Dystopie bereits etabliert sind; in „Wo Rauch ist“ zeigt, die Autorin, wie schnell dieser Umbruch gehen kann, wenn Die an den entsprechenden Schalthebeln, es verstehen gewisse Vorkommnisse zu instrumentalisieren.

Fazit: Unbedingt lesen!

Wo Rauch ist

Autorin: Gudrun Lerchbaum

Verlag: Ariadne

ISBN 978-3-86754-233-3

Preis: 13,00 €

Wer die Goldkehlchen stört von Levi Henriksen

Als der Plattenproduzent Jim zu einer Taufe in Kongsvinger eingeladen wird, hört er die drei Geschwister Thorsen in der Kirche singen und ist von ihrem Gesang fasziniert. Er erfährt, dass die drei früher berühmt waren und auch einige Platten aufgenommen haben. Jim hat die Musikindustrie, in der es mehr und mehr um Vermarktung von Produkten, als um Musik geht, leid und versucht die Drei, alle bereits um die 80, zu überreden eine Aufnahme zu machen. Das gestaltet sich nicht leicht, während die beiden Schwestern Maria und Tamar, nicht wirklich abgeneigt sind, stellt sich Bruder Timoteus quer.
Nach und nach erfährt Jim nicht nur die Geschichte der Thorsen-Geschwister, sondern auch eine Menge über sich. Eine wundervolle Geschichte über Musik, Hoffnung, die Kraft der Liebe und dass es für sie nie zu spät ist.

Levi Henriksen ist einer der wenigen Schriftsteller, der es schafft eine Geschichte über Themen wie Liebe, Hoffnung, Glaube zu schreiben, ohne das kleinste Bisschen kitschig zu werden und seine Leser*innen trotzdem zu Tränen zu rühren. Wer die Goldkehlchen stört ist ein Liebesroman, aber nicht im üblichen Sinne, sondern es ist eine Liebeserklärung an die Vielfalt in der Liebe an sich.

Wer die Goldkehlchen stört

Autor: Levi Henriksen

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Verlag: btb

ISBN: 978-3-442-71680-7

Preis: 13,00 €