John Steinbeck

Ab und an neige ich dazu, Klassiker zu lesen oder aber wieder zu lesen. John Steinbecks Jenseits von Eden habe ich als noch sehr junges Mädchen gelesen und, obwohl ich mir sicher bin, dass ich vieles nicht im vollen Maße zu würdigen wusste, ist mir eine Menge in Erinnerung geblieben. Nun habe ich beschlossen das Buch noch einmal zu lesen, allerdings ein wenig anders. Eher als Literaturprojekt. Der Autor und Musiker Kersten Flenter schrieb mehr, dass er zu Jenseits von Eden parallel Tagebuch eines Romans gelesen hat. John Steinbecks Briefe an seinen Verleger, die er während der Entstehung des Buches an diesen schrieb. Eine sehr gute Idee dachte ich. Kersten schrieb: Es ist, als wenn man dem Autor beim Schreiben über die Schulter guckt. Das gefiel mir so gut, dass ich mir beide Bücher noch einmal besorgt habe.

Wenn wir zum Ende kommen – Kersten Flenter und Biena Monecke

Wenn wir zum Ende kommen – über Friedhöfe und Tode, Trauern und Abschied nehmen – Texte Kersten Flenter, Zeichnungen Biena Monecke, Blaulicht Verlag ISBN 978-3-941552-44-9, Preis: 15,00 €

Was für ein wundervolles Buch! Es ist alles dabei. Texte die berühren, ergreifen und gar nicht so selten zum Lachen bringen. Lyrik und Prosa in gewohnter Flenter Qualität untermalt von den einfühlsamen Kreidezeichnungen von Biena Monecke.

Es ist diese Mischung. Auch ich bin eine bekennende auf Friedhöfen Spazierengehende und denke oft über die Inschriften auf Grabsteinen nach und darüber, welches Leben die dort liegenden wohl gelebt haben. Vielleicht hat mich dieses Buch besonders berührt, weil ich auch schon mal bei Grabsteininschriften wie …

Unser Leben ist, wenn es köstlich gewesen ist, stets Mühe und Arbeit gewesen

… dachte, ach nee, wirklich nur das? Doch ich gehe denn weiter und vergesse es wieder, während Kersten Flenter sich hinsetzt und etwas dazu schreibt. Und das macht er kenntnisreich, eloquent und sprühend vor Lebensfreude. So kommt er zu der Erkenntnis, dass dort stehen sollte …

Aber wenn es köstlich gewesen ist, dann waren es Wolken und Seifenblasen, Irrsinn und Unfug, Liebe und Vertrauen, kristallene Augenblicke

… würde auch mir besser gefallen.

Es ist ein lebenspralles Buch über das was zum Leben gehört: Den Tod, die Trauer, das Lachen, die Erotik und wie nahe alles beieinander liegt.

Fazit: Unbedingt Lesen!

 

James Joyce

Gestern abend sah ich in der ARTE Medithek James Joyce: Irischer Schriftsteller – erzählt von Anjelica Houston. Das hat einen Haken geschlagen. Ich gestehe, dass ich Joyce ziemlich links liegen gelassen habe, seit ich mit 13 Jahren versucht habe Finnegan’s Wake zu lesen und grandios gescheitert bin. Zumindest glaubte ich das, dabei sagen sogar Fachleute, dass mein leicht verrückt wird, wenn man versucht den Sinn des Buches zu begreifen. Jedenfalls habe ich beschlossen es noch einmal mit Joyce zu versuchen. Als erstes werde ich obiges Buch lesen. Wer mehr drüber wissen möchte, einfach aufs Bild klicken.

64 von Hideo Yokoyama

64 ist der Codename für einen Entführungsfall aus dem Jahre 1989. Dem Jahr, in dem Kaiser Hirohito nach 64 Jahren im Amt starb. Das entführte Mädchen wurde  nach der Lösegeldübergabe ermordet aufgefunden, der Fall nie geklärt. 14 Jahre später, ein Jahr vor der Verjährung, meldet der Generalinspektor der Polizei aus Tokio seinen Besuch in der Präfektur D, in der das Verbrechen geschah, an. Pressesprecher Mikami soll den Besuch vorbereiten und den Vater des Mädchens überreden den Generalinspektor zu empfangen, dieser lehnt ab, obwohl es eine Neuaufnahme des Falles bedeuten würde. Mikami, der eigentlich Ermittler ist und seine Versetzung zur Pressestelle als Degradierung empfindet, wird neugierig, warum der Vater der Polizei so ablehnend gegenüber steht und stößt auf einen Ermittlungsfehler, der der Öffentlichkeit verschwiegen wurde. Überhaupt ist Yoshinobu Mikami sehr gefordert. Seine eigene Tochter ist nach einem Streit verschwunden. In der Dienststelle wird er mehr und mehr zum Prellbock in Spannungsverhältnis Polizei und Presse und verschiedene Karrieristen versuchen ihn zum Spielball für ihre Intrigen zu machen.

64 wird als Krimi angepriesen ist meiner Meinung nach, aber viel mehr als das. Es ist ein Gesellschaftsbild Japans zwischen Tradition und Moderne. Mit Mikami hat Yokoyama einen Protagonisten geschaffen, der am Rande steht. Er ist Pressesprecher, aber widerwillig, er glaubt als Vater versagt zu haben und gehört auch nicht mehr in die Welt der Ermittler und gerade durch dieses Außenvorsein, hat er einen objektiven Blick.

Anfangs habe ich mich schwer getan und teils gestaltete sich das Lesen, wie ein Waten durch den Sumpf von Lügen und Korruption, in dem Mikami ermittelt und doch habe ich die 768 in vier Tagen durchgelesen, weil es einfach ein sehr gut geschriebener, spannender Roman ist.

64

Autor: Hideo Yokoyama

ISBN 9783037921043

768 Seiten

Atrium Verlag Zürich

Übersetzt aus dem Englischen: Sabine Roth und Nikolaus Stingl